Die Helfer in der Not

12.03.2012 - Notfallseelsorge verzeichnet mehr Einsätze, beklagt aber noch bestehende Berührungsängste Die Notfallseelsorge Limburg-Weilburg wird in der Region uneingeschränkt gebraucht. Alleine im letzten Jahr wurden von den Ehrenamtlern bei 113 Einsätzen 431 Menschen betreut.

Nach Angaben der Vorsitzenden Hedi Sehr stehen die 20 derzeit für die Notfallseelsorge aktiven Männer und Frauen rund um die Uhr für Notfälle zur Verfügung. Sie haben im vergangenen Jahr, wie die Vorsitzende berichtete, 605 Stunden für Ausbildung und 676 Stunden für Einsätze aufgewendet und dafür 19 677 Kilometer zurückgelegt.
Die Zahl der Einsätze sei gestiegen, aber oft erfahre die Notfallseelsorge, so Hedi Sehr, erst hinterher, dass es in der Region Fälle gegeben habe, wo sie sicher hätte helfen können. So dachten laut Sehr beispielsweise zwei Polizisten, sie könnten einer jungen Frau nachts auch alleine eine Todesnachricht überbringen und merkten erst vor Ort, dass sie mit der Situation überfordert waren. Die Mitarbeiter der Notfallseelsorge müssen nicht umsonst eine umfangreiche Ausbildung für ihre Tätigkeit mit ständiger Weiterbildung absolvieren.

Respekt gezollt

In der Jahreshauptversammlung im Merenberger Feuerwehrhaus wurde am Mittwochabend das Vorstandsteam einstimmig in seinen Ämtern bestätigt. Es besteht aus der Vorsitzender Hedi Sehr (Obertiefenbach), dem Zweiten Vorsitzenden Alois Heun (Hintermeilingen), Kassierer Martin Werner (Erbach), Schriftführerin Manuela Schäfer (Obertiefenbach) sowie den Beisitzern Walter Mayer (Hintermeilingen) und Stefan Vogel (Hadamar). Die Notfallseelsorge kümmert sich um Unfallopfer, Angehörige – auch bei plötzlichen natürlichen Todesfällen oder Selbstmorden – sowie Rettungskräfte, die bei Einsätzen mit Sterbenden oder Schwerverletzten oft auch über die Grenze des psychisch Verkraftbaren gehen müssen. Ihnen helfen intensive Gespräche und Betreuung durch die Notfallseelsorge, die auch eng mit professionellen Seelsorgern zusammenarbeitet.

"Großen Respekt für die Arbeit der Notfallseelsorge", lobte im Namen der Bürgermeistervereinigung Thomas Scholz (CDU/Mengerskirchen). Was der Verein leiste, müsse einfach positiv herausgestellt werden. Der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung (SPD) meinte: "Ich bin froh, dass wir im Kreis eine solche Notfallseelsorge haben. Denn das ist keineswegs überall so". Was die Helfer machten, finde meist im Verborgenen statt, habe aber große Anerkennung verdient. Denn es sei nicht einfach, als Ehrenamtlicher selbst so viel Leid ertragen zu müssen.
Thomas Schmidt, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands, gab selbst zu, dass er zu Anfang die Wichtigkeit der Seelsorgearbeit auch unterschätzt habe, bis er selbst vor zehn Jahren als Helfer bei einem schweren Unfall dabei gewesen sei und gemerkt habe, was dieser bei seinen Feuerwehrkameraden ausgelöst habe.

Die Vorsitzende Hedi Sehr bat die Wehren, die Notfallseelsorge künftig öfter in ihre Übungen zu integrieren und wünschte sich von den Einsatzkräften und der Polizei, öfter einmal gerufen zu werden. Die Kreisvorsitzende nannte ein negatives Beispiel, wo die Notfallseelsorge zu spät angefordert worden sei und Feuerwehrleute dann herumerzählt hätten, die seien ja erst da gewesen, als alles schon vorbei gewesen sei. Das haben Menschen, die ihre Freizeit dafür opfern, sich um das Leid anderer zu kümmern, sicher nicht verdient.

Unterstützung

Geehrt wurden für 15-jährige Mitarbeit Christof Martin (Lahr) und Heinz Georg Muth (Oberweyer). Für Interessierte startet das nächste Basis-Seminar (zwei Wochenenden) über den Malteser Hilfsdienst übrigens am 21. April.

Vergangenes Jahr konnte der Verein auch ein Betreuungszelt anschaffen, das bei größeren Einsätzen Menschen einen geschützten Raum bieten kann. Mit 3240 Euro, die der Stadtschenkenclub Hadamar der Notfallseelsorge gespendet hat, werden für die Mitarbeiter Anfang April neue Einsatzrucksäcke angeschafft. Darin kann alles für Einsätze Nötige von einer kleinen Wasserflasche über Einmal-Handschuhe bis hin zu Texten für Notfallsituationen, Malsachen zur Kinderbeschäftigung, ein Holzkreuz und vieles mehr mitgeführt werden kann.
Die zusätzliche Aufmerksamkeit durch das 15-jährige Bestehen im vergangenen Jahr habe der Notfallseelsorge auch finanziell gut getan, denn es kamen deutlich mehr Spenden als üblich herein, berichtete die Vorsitzende. Dem Verein ist es daher möglich, sein Tätigkeitsfeld noch ausbauen. Ziele sind die Erstellung einer "Trauern mit Kindern"-Broschüre für Familien, Schulen und Kindergärten, die Veranstaltung von Fachvorträgen und Fortbildungen und die aktive Mitgliederwerbung (aktuell sind 256 Frauen und Männer im Verein) . rok

Artikel vom 09. März 2012, 03.22 Uhr (letzte Änderung 09. März 2012, 05.02 Uhr)

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Neuen Presse/NNP

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