Notfallseelsorge Limburg-Weilburg zog in der Mitgliederversammlung Bilanz - 165 Einsätze zu verzeichnen

28.03.2017 - 2016 war das Jahr mit bisher höchsten Anforderungen, Aktivitäten und Fortbildungen für die Mitarbeiter und das Vorstandsteam. Bei insgesamt 165 Einsätzen und zwei Einsatznachbesprechungen konnten 671 Personen in vielen Extremsituationen von 22 Mitarbeiter/innen im Rahmen der PSNV (Psychosozialen Notfallbetreuung) betreut werden. All das erfuhren Mitglieder und Gäste bei der diesjährigen Mitgliederversammlung im Feuerwehrhaus Bad Camberg. In der Totenehrung zu Beginn gedachte die Vorsitzende Hedi Sehr insbesondere Dekan Pfarrer Franz-Josef Kremer, der durch seinen plötzlichen Tod aus dem Leben gerissen wurde. Ebenso wie Pfarrer Arne Huwald , der durch einen Verkehrsunfall verstarb.

Gäste der Mitgliederversammlung, die ein ehrendes Grußwort sprachen:

• Der künftige Bürgermeister von Bad Camberg, Jens-Peter Vogel
• Kamerad/Innen der Feuerwehr Bad Camberg
• Der Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, Thomas Schmidt
• Die Kreisjugendfeuerwehrwartin, Brigitte Kintscher
• Der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Limburg, Roland Jäger
• Der Kreisverbandsvorsitzende DLRG Limburg-Weilburg, Wolfgang Dillhöfer und Cordula Rahner
• Der neue Leiter der Kripo bei der Polizeidirektion Limburg, Thomas Ernst
• Mitglied bei der Notfallseelsorge und Vertreter für die Malteser, Heinz Georg Muth
• Evangelische Kirchengemeinde Dauborn, Andreas Müller
• Evangelische Kirchengemeinde Löhnberg, Ursula Peusch
• Der Bürgermeister der Gemeinde Elbtal, Joachim Lehnert
• Der Ehrenvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes, Franz Josef Sehr
• Presse: Frau Gertrud Brendgen und Herr Manfred Disper
• Der Ehrenvorsitzender und Mitarbeiter, Pfarrer i.R. Bernd Volker Sponholz
• Das Ehrenmitglied, Josef Rohe
• Der Erste Kreisbeigeordneten, Helmut Jung

Von den Mitarbeitern der Notfallseelsorge wurden seit der Gründung 1996 insgesamt 2.015 Einsätze geleistet und über 8.000 Menschen betreut. Diese Zahl entspricht prozentual etwa 2 % der Bevölkerung unseres Kreises Limburg-Weilburg.
Es gab viele besonders tragische Einsätze. Der Tod eines neunjährigen Kindes auf einem Bauernhof stellte die Mitarbeiter vor eine Anzahl von Betreuungen im Einsatzgeschehen und darüber hinaus. Ein schwerer Verkehrsunfall bei Hünfelden-Ohren forderte vom schwerstverletzten Vater eine langwierige Kranken- und Reha-Phase. Die Personensuche der Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Beselich endete abrupt, nachdem die gesuchte Person tot aufgefunden wurde. Diese Situation stellte umfangreiche Anforderungen an alle Einsatzkräfte und die nachfolgende Arbeit der Notfallseelsorger.

Die langjährige gute Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Bad Camberg wurde auch im vergangenen Jahr wieder bei schlimmen Unfällen auf den Prüfstand gestellt.
Einmal gab es einen schweren Verkehrsunfall von Bad Camberg-Dombach in den nahen Rheingau-Taunus-Kreis, wo vom Fahrzeug eines 28-jährigen lediglich Schrottteile übrig blieben. Er war auf einen entgegenkommenden Sattelschlepper aufgefahren.
Besonders tragisch und zeitnah gab es den Unfall eines Radfahrers in Richtung des benachbarten Steinfischbach. Der Radfahrer war von einem älteren Herrn wohl auf Grund der Sonneneinwirkung nicht wahrgenommen worden und brach sich auf Grund des Zusammenstoßes und des Sturzes vom Fahrrad das Genick im angrenzenden tiefergelegenen Graben. Eine Identifizierung des Toten war zunächst schwierig, da sein Handy durch den Aufprall zerstört war und er keine weiteren Papiere dabei hatte.
Als die Amtstierärztin Dr. Kerstin Herfen die Notfallseeslsorger vor einigen Jahren zu einer Keulungsübung nach Villmar bat, konnten zum damaligen Zeitpunkt gute Erkenntnisse gewonnen werden, auch Menschen im Ausnahmezustand in solchen Geschehnissen zu betreuen. An einem Sonntagmittag erreichte der Anruf des Kreissprechers der Reitervereine die Vorsitzende, nachdem auf einem Obertiefenbacher Reiterhof eine Anzahl Pferde von einem Herpesvirus infiziert und einige Pferde bereits eingeschläfert werden mussten.
Die Besitzer des Hofes bis hin zu den Tierärzten und Reitern kämpften bereits seit zwei Tagen und zwei Nächten um das Überleben ihrer Vierbeiner.
An diesem Tag standen abwechselnd jeweils 2 Notfallseelsorger in der Sattelkammer zur Verfügung für Gespräche mit den Betroffenen. Es konnte neben der Regelung von beruflichen und familiären Dingen, die auf Grund der Situation völlig in den Hintergrund gerieten, auch ein Kind beim Abschiednehmen von seinem Pferde begleitet werden.

3.050 Std. leisteten die Mitarbeiter im Jahre 2016, was bei einem 8-Std.-Tag 381 Arbeitstage zur Folge hätte und 30.739 zurückgelegte km beinhaltet. Diese Km wurden allesamt in eigenen PKW`s absolviert.
Interessant ist die Anzahl der Einsätze in den Städten und Gemeinden unseres Kreises:
Bad Camberg 19
Beselich 8
Brechen 3
Dornburg 2
Elbtal 1
Elz 9
Hadamar 14
Hünfelden 11
Limburg 20
Löhnberg 6
Mengerskirchen 4
Merenberg 2
Runkel 10
Selters 8
Villmar 5
Waldbrunn 10
Weilburg 15
Weilmünster 7
Weinbach 7
Außerhalb 4
Insgesamt: 165

Die Alarmierung der Mitarbeiter der Notfallseelsorge Limburg-Weilburg geschieht mittlerweile bei vielen häuslichen Todesfällen.
Unsere Gesellschaft ist im Wandel, was selbst die sozialen Kontakte in der eigenen Familie betrifft und Kinder oder Angehörige im plötzlichen Todesfall oftmals nicht erreichbar sind oder weit außerhalb wohnen.
Um dieses soziale Umfeld bei einem plötzlichen Todesfall erst einmal zu ersetzen und im Anschluss im weiteren Umfeld wohnende Angehörige zu aktivieren, werden in vielen Fällen die Notfallseelsorger alarmiert.
11 Dienstabende gehörten 2016 zur Pflichtveranstaltung der aktiven Notfallseelsorger, u.a. ein Dienstabend beim Hospizum Hadamar mit der Leiterin Christiane Stahl sowie bei der Diakonie und ihrer Leiterin Irina Porada in Limburg.
Unvergesslich ist allen der wunderbare Gottesdienst zum 20-jährigen Jubiläum in der Kirche „St. Ägidius“ in Obertiefenbach am Freitag, dem 16. September 2016. Mit dem einzigartigen Klangerlebnis durch das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Winkels wurde dieser Gottesdienst mit Dekan Franz-Josef Kremer und Dekan Ullrich Reichard ein unvergessliches Erlebnis für alle unter der Beteiligung der Rettungsdienste unseres Kreises.
Bei dem anschließenden Angebot im Bürgerhaus schilderte der Mitgründer Stephan Schienbein seine Eindrücke von der Gründung bis zu den ersten Einsätzen.
Der Abend mit dem Vortrag von Prof. Dr. Harald Karutz zum Thema: „20 Jahre psychosoziale Notfallversorgung – was war – was ist und was kommt“ stand unter der Schirmherrschaft von Kreisbrandinspektor Georg Hauch. Dr. Christiane Mörsel-Zimmermann rundete den Abend mit einem besonderen Dankgedicht an die Notfallseelsorger ab.
Die Ausstellung „Mein Koffer für meine letzte Reise“ unter der Schirmherrschaft des Ersten Beigeordneten Helmut Jung mit insgesamt 24 Kofferpackern in den Räumen der Kreissparkasse Limburg ab dem 4. Oktober wurde zu einem vollen Erfolg. Die Ausstellung inspirierte viele Menschen zum Nachdenken und vielleicht auch das eine oder andere Mal zum Schmunzeln. Bis auf das letzte Exemplar vergriffen ist das Begleitheft mit den Abbildungen der Koffer sowie ihrer Identität und den Gedichten von Frau Dr. Christiane Mörsel-Zimmermann zu den Themen Leben, Sterben und Erinnerung.
Zwei Tagesfortbildungen nahmen die Mitarbeiter mit den Themenschwerpunkten Kommunikation – hier besonders aktives Zuhören war. Diese Fortbildung konnten wir allbewährt im Seniorenwohnheim „Carpe diem“ in Niederselters absolvieren, während die Tagesfortbildung im November im Ev. Gemeindehaus in Waldems-Esch sozusagen kreisübergreifend mit den Mitarbeitern der Notfallseelsorge Rheingau-Taunus stattfand.
Diese Tagesfortbildung stand unter dem Motto: „Psychotrauma in der Notfallseelsorge“ und der Referent war der Mitgründer der Notfallseelsorge Frankfurt, Pfarrer Dieter Roos.


Ehrungen:

Für 20 Jahre aktive Mitarbeit:

Kampkötter, Meinolf
Martin, Christof
Muth, Heinz-Georg
Sowie die beiden Gründungsmitglieder:
Sehr, Hedi
Sponholz, Bernd-Volker

Für 10 Jahre aktive Mitarbeit:

Walter Mayer

Die Ehrungen übernahm der Ersten Beigeordnete Helmut Jung. Er dankte allen für die wertvolle Arbeit und überreichte ein kleines Präsent sowie einen Blumenstrauß an Hedi Sehr.

Mitarbeiter, die ihre Zertifizierung erhalten haben:

Bendel, Ute
Stockmann, Ingrid
Beide Mitarbeiterinnen haben nach dem Grundseminar in PSNV auch das Aufbauseminar besucht und zur Zertifizierung u.a. ein Praktikum im Rettungsdienst sowie eine Anzahl von Einsätzen mit Beurteilung ihrer Arbeit absolviert.

Beim Ausblick auf das Jahr 2017 freuten sich die Vorsitzende Hedi Sehr und ihr Stellvertreter Alois Heun besonders auf die Ausstellung „Mein Koffer für meine letzte Reise“ in diesem Jahr bei der Kreissparkasse Weilburg vom 1. September bis 12. Oktober anbieten zu können.

Foto Ehrungen (von links):
Alois Heun (Stellv. Vorsitzender), Erster Beigeordneter Helmut Jung, Hedi Sehr (1. Vorsitzende), Heinz-Georg Muth, Walter Mayer, Ute Bendel, Christof Martin und Gründer Bernd-Volker Sponholz
Foto: Sehr
Es fehlen Meinolf Kampkötter und Ingrid Stockmann.

Foto Ehrungen (von links):Alois Heun (Stellv. Vorsitzender), Erster Beigeordneter Helmut Jung, Hedi Sehr (1. Vorsitzende), Heinz-Georg Muth, Walter Mayer, Ute Bendel, Christof Martin und Gründer Bernd-Volker Sponholz Foto: SehrEs fehlen Meinolf Kampkötter und Ingrid Stockmann.

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Kontaktanfragen unter: 06484 8910609 oder

Notfallseelsorge Limburg-Weilburg e.V.
Hedi Sehr
Kellerweg 2a
65614 Beselich-Obertiefenbach

Telefon: 0171 2146604
Fax: 06484 91032

Alarmierung im Notfall
nur über die Notfallnummer
06431 19222